Bilanz und Ausblick zur Situation an den Schulen

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Lehrkräfte und Schulleitungen, liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Eltern,

vor rund sechs Wochen sind wir in das neue Schuljahr gestartet - mit großer Vorfreude auf vollen Präsenzunterricht, aber auch mit einem sehr wachsamen Blick auf das Infektionsgeschehen. Mit den Herbstferien endet nun der erste Abschnitt in diesem Schuljahr und ich möchte an dieser Stelle für Sie eine erste Bilanz ziehen und einen Ausblick auf die Zeit nach den Ferien geben.

Alle am Schulleben Beteiligten, von den Lehrkräften und Schulleitungen über die Schülerinnen und Schüler bis hin zu den Eltern, haben durch ihr umsichtiges und besonnenes Verhalten dazu beigetragen, dass unser Fazit nach eineinhalb Monaten positiv ausfällt. Dafür möchte ich mich bei Ihnen allen zunächst sehr herzlich bedanken.

Zum Start in das neue Schuljahr haben wir die Schutzzäune an unseren Schulen hochgezogen und unter anderem eine Maskenpflicht im Unterricht eingeführt. Diese Entscheidung haben wir trotz der kommunikativen und pädagogischen Nachteile durch die Maske sehr bewusst getroffen, um uns ein Bild von der Lage zu verschaffen und insbesondere auch das Risiko durch Reiserückkehrer zu minimieren. Parallel haben wir die Quarantäneregeln an den Schulen so angepasst, dass durch verstärkte Tests bei einem Infektionsfall möglichst wenige Kinder und Jugendliche zu Hause bleiben müssen. Diese Strategie war sehr erfolgreich.

Wie erwartet, ist die Zahl der entdeckten Fälle unter Schülerinnen und Schüler durch die Wiederaufnahme der regelmäßigen Tests nach dem Schulstart zunächst schnell angestiegen, dann aber bald auf niedrigem Niveau stagniert. In den letzten Wochen lag der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die positiv getestet bzw. in Quarantäne sind, relativ konstant zwischen 0,1 und 0,2 Prozent. Nur vereinzelt mussten ganze Klassen in Quarantäne, keine Schule wurde bislang geschlossen.

Durch diese positive Entwicklung konnten wir in Abwägung mit den pädagogischen Argumenten unsere Schutzzäune etwas absenken und die Maskenpflicht im Unterricht zum 18. Oktober wieder aufheben. Diese Entwicklung freut mich sehr, denn sie ermöglicht nicht nur einen wieder fast normalen Unterricht, sondern wir kommen durch die angepassten Quarantäneregeln auch unserem Ziel sehr nahe, möglichst allen Schülerinnen und Schülern im Land dauerhaft Präsenzunterricht anzubieten. Wie wichtig der Präsenzunterricht ist, wurde in den ersten Schulwochen noch einmal sehr deutlich.

Viele Kinder und Jugendliche spüren nun ganz unmittelbar die pandemiebedingten Lernlücken, andere sind dagegen sehr gut mit der Situation zurechtgekommen und haben keinen Nachholbedarf. Der pädagogische Grundsatz, die Kinder und Jugendlichen dort abzuholen, wo sie stehen, hat in dieser Situation eine ganz besondere Bedeutung. Und deshalb werden wir in den kommenden Wochen und Monaten alle Hebel in Bewegung setzen, um die entstandenen Lücken bei unseren Kindern und Jugendlichen anzugehen.

Für unser Aufholprogramm „Lernen mit Rückenwind“ nehmen wir gemeinsam mit dem Bund in diesem und im nächsten Schuljahr insgesamt rund 260 Millionen Euro in die Hand. In den ersten Wochen nach den Ferien stand im Mittelpunkt, dass die Schülerinnen und Schüler wieder gut an der Schule ankommen und die Lehrkräfte Zeit haben, die individuellen Lernstände zu erheben, so dass nach den Herbstferien sukzessive mit der fachlichen Förderung begonnen werden kann. Inhaltlich stehen die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch und die jeweiligen Profilfächer der beruflichen Schulen im Fokus. Darüber hinaus sollen die Schülerinnen und Schüler auch im sozial-emotionalen Bereich unterstützt werden. Über unseren „virtuellen Marktplatz“ haben wir seit August bereits über 4.000 Unterstützungskräfte und rund 440 Kooperationspartner gewinnen können - und es werden täglich mehr. Den Schulen wurde vor Kurzem ihr Budget für das laufende Schuljahr zugewiesen, so dass sie jetzt ihre Angebote sicher planen können. Mir ist bewusst, dass die Umsetzung dieses Programms für alle Beteiligten noch einmal eine große Kraftanstrengung bedeutet. Wir haben hier in den vergangenen Wochen verschiedene Möglichkeiten geprüft, um für Schulleitungen zumindest anteilig auch eine zeitliche Entlastung bieten zu können. Ich freue mich sehr, Ihnen mitteilen zu können, dass wir hier nun eine gute Lösung mit einer am Umfang der Förderung orientierten Anrechnung gefunden haben. Die genauen Regelungen dazu werden Ihnen in den nächsten Tagen zugehen. Für Ihr Engagement, mit dem Sie zum Gelingen des Förderprogramms beitragen, bedanke ich mich noch einmal sehr herzlich. Meine dringende Bitte an alle Eltern und Schülerinnen und Schüler lautet: nehmen Sie die angebotenen Hilfsund Unterstützungsmaßnahmen an und nutzen Sie diese Chance.

Wir alle wünschen uns nichts sehnlicher, als wieder vollständig zu unserem gewohnten Alltag zurückzufinden und unseren Kindern und Jugendlichen wieder einen ganz normalen Schulalltag zu ermöglichen. Leider sind wir aber noch nicht soweit. Denn es sind noch immer zu viele Menschen, die sich nicht impfen lassen, obwohl sie eigentlich die Möglichkeit dazu hätten. Wir wissen, dass die Lehrkräfte das Impfangebot gut angenommen haben, denn gerade die Kinder unter 12 Jahren, die noch keine Möglichkeit zum Impfen haben, brauchen den Schutz der Erwachsenen und derer, für die ein Impfstoff bereits zugelassen und auch empfohlen wird.

Mit Blick auf die kalte Jahreszeit bitte ich Sie auch im Namen von Herrn Gesundheitsminister Manne Lucha von Herzen, zum Schutz unserer Kinder auch von den Auffrischimpfungen möglichst umfassend Gebrauch zu machen. Die Boosterimpfung erhöht noch einmal deutlich den Infektionsschutz und leistet damit einen wichtigen Beitrag, um die Zahl der Impfdurchbrüche und der unbemerkten Infektionen an den Schulen über die Wintermonate möglichst gering zu halten. Angesichts steigender Infektionszahlen und einem Anstieg der Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen im Land bitten wir Sie deshalb besonders im Blick zu behalten, ob Sie zu dem Personenkreis gehören, für die eine Auffrischimpfung empfohlen wird. Informationen hierzu finden Sie auf der Homepage des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration, die stetig aktualisiert werden. Wir setzen uns gegenwärtig dafür ein, im Konsens mit der Ärzteschaft, dass möglichst bald die Boosterimpfung für alle Menschen möglich wird, die vor mehr als sechs Monaten geimpft wurden, insbesondere für Menschen, die viel Kontakt zu vulnerablen oder ungeimpften Gruppen haben.

Auch die Impfangebote für ältere Schülerinnen und Schüler stoßen bislang noch auf sehr unterschiedliche Resonanz, was mir mit Blick auf die besonderen Herausforderungen an unseren Schulen in der kalten Jahreszeit Sorgen bereitet. Deshalb rufe ich Sie alle dazu auf: Lassen Sie sich impfen, wenn Sie die Möglichkeit dazu haben, damit wir alle gemeinsam gut durch diesen Winter kommen! Falls Sie weitere Informationen zum Thema benötigen, finden Sie verlässliche Fakten auf der Website der Informationskampagne des Sozialministeriums unter www.dranbleiben-bw.de/#informationen. Bitte denken Sie auch an die besonders für die Wintermonate wichtigen Grippeschutzimpfungen, die auch gleichzeitig mit den Covid-Impfstoffen verimpft werden können.

Auch weiterhin werden wir die Maßnahmen an die Erfordernisse des Pandemiegeschehens anpassen. Unseren bewährten Kurs werden wir fortsetzen und die derzeit geltenden Regelungen an den Schulen auch nach den Herbstferien beibehalten. Wir werden jedoch umgehend reagieren, wenn die Entwicklung weitere Lockerungen möglich, oder zusätzliche Verschärfungen nötig machen sollte.

Aktuell steigen die Infektionszahlen in allen Lebensbereichen wieder an, so dass durch die regelmäßigen Tests an Schulen in den letzten Tagen auch die Zahl der entdeckten Fälle bei Schülerinnen und Schülern ansteigen. Deshalb werden wir die Gesamtentwicklung und vor allem auch die Auslastung unserer Krankenhäuser weiter fest im Blick behalten und dann gegebenenfalls auch an den Schulen reagieren, wenn eine Überlastung unseres Gesundheitssystems droht. Und deshalb wird die Maskenpflicht am Platz auch spätestens wieder eingeführt, wenn das Infektionsgeschehen die Alarmstufe in der aktuellen Corona-Verordnung erreicht.

Jetzt wünsche ich Ihnen allen aber erst einmal erholsame Ferien - möglichst weiterhin mit goldenem Herbstwetter - und hoffe sehr, dass Sie die Zeit nutzen können, um Kraft zu tanken und Ihre Akkus aufzufüllen.

Mit freundlichen Grüßen

Theresa Schopper



"Die Mühe hat sich gelohnt
Gerhard Thielcke

 

 

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